Erste Überlieferungen

Musik hat in Kaltern eine lange Tradition und obwohl es keine Aufzeichnung über ein Gründungsjahr der Musikkapelle gibt, reichen Erwähnungen über musikalische Betätigungen sehr weit zurück. Eine der ältesten Nachrichten findet sich in der Chronik des Franziskanerklosters, welches folgendes Für den 29. Mai 1639 berichtet:
"... Fröhlichkeit schaffte schließlich mit Wort und Tat unser allerhöchster Wohltäter der Herr Sigmund Greiff, durch dessen Bemühungen die berühmte Musik zustande gebracht wurde, wobei ihn der Herr Doktor Adam Ruedl trefflich unterstützte ..."
Eine weitere Nachricht aus der Zeit der Tiroler Freiheitskämpfe ist in der Chronik der Patres zu lesen:
"Am 2. Februar 1801 langt endlich die Nachricht vom Frieden ein. Der Jubel der Bevölkerung war unbeschreiblich. Um 2 Uhr nachmittags war feierliches Tedeum in der Pfarrkirche, wo auch französische Offiziere und Mannschaften beiwohnten. Abends war Platzkonzert und Feuerwerk bis tief in die Nacht hinein. Ein Schauspiel, das die Kalterer noch nie erlebt."

Musikbanden in der 1. Hälfte des 19. Jh

Zwischen den Jahren 1825 bis 1849 existierten in Kaltern zeitweilig zwei Kapellen. Eine hieß man die "pelzte" (geschulte, die eigentlich rechtmäßige Bande) und die andere die "wilde" Bande (als Konkurrenzbande gegen die "pelzte" aufgestellt). Die "pelzte" leitete der Schullehrer Peter Andreatta und die "wilde" dirigierte der bekannte Kapellmeister Rainalter. Wie bereits erwähnt, herrschte zwischen beiden Kapellen eine Rivalität, die oft den Konkurrenzneid ganz offen zu Tage treten ließ. An einem herrlichen Sonntag gaben alle zwei Banden zu gleicher Zeit ein Konzert auf dem Marktplatz. Die "pelzte" postierte sich vor dem Rathaus und die "wilde" stellte sich beim "Rössl" auf. Gleich nach dem Eröffnungsmarsch spielte die "pelzte" ein schwieriges Stück, doch war ihr die Musikgöttin abhold und es gab einen "bearigen" Umschmeißer, wie ihn die "pelzte" noch nie erlebte und gleich spielte die "wilde" dasselbe Stück mit viel Geschick und erntete dafür einen "saftigen" Beifall.

Schützenscheibe

Die erste bekannte bildliche Darstellung der Musikkapelle ist auf einer Schützenscheibe zu finden, die mit 6. Oktober 1846 datiert ist. In der Tiroler Schützen-Zeitung Nr.31 vom 8. August 1849 kann man einen Bericht über das Festschießen, Schützen- und Volksfest zu Kaltern, zu Ehren des Fürsten Vinzenz von Auersperg vom 8. bis 16. Juli 1849 finden. Dort wird ausführlich berichtet, wie die dritte Schützenkompanie der Gemeinde Kaltern unter ihrem Hauptmann v. Röggla nach vollendeter Dienstzeit und beschwerlichem Feldzug glücklich nach Hause zurückkehrt und "um die Mittagszeit mit klingendem Spiele und flatternden Fahnen ... wiederum in Kaltern einrückte, wo sie durch die Straßen ziehend mit lautem Jubel empfangen wurden."
Bei den Feierlichkeiten zum Festschießen spielte auch die Musikkapelle auf. Bereits um 4 Uhr morgens zog die Kapelle durch die Gassen und weckte so die Schützen. Gegen Mittag begleitete die Musikkapelle die Schützenschar mit klingendem Spiel in "Dupplierschritten" vom Marktplatz hin zum Schießstand. Als Sr. Kaiserl. Hoheit Rainer mit seinen zwei Prinzen und dem Erzherzog Ludwig durch ihre Ankunft die Festgemeinde überraschten, eilte die Musikbande den "höchsten Herrschaften" entgegen und geleitete sie zur Schießstätte. Am Abend begleitete die Musikkapelle den besten Schützen Anton Dissertori unter Jubel wieder nach Kaltern und anschließend - voran die Schützen und Fackelträger - nach St. Anton zu seinem Heimathaus. Es wird berichtet, dass der jubelnden Schützenschar und Begleitern der Wein in Zumen zugetragen worden sei. Die Kapelle umrahmte dann auch noch die bis in die späte Nacht anhaltenden Feiern beim Hause der Eltern des Bestgewinners.

Schützenscheibe 1846

Die Kalterer Musikkapelle unter den Kapellmeistern Niederstetter

Familie Niederstetter hello feg 1849 übernahm der Musiker Hans Niederstetter die Leitung und vereinigte beide Banden unter seinem Dirigentenstab. Der Kapellmeister der "wilden" Bande trat als Bassflügelhornist der Kapelle bei und spielte meisterhaft so manches Tenorhorn-Solo. Unter Hans Niederstetters Stabführung wurden mitunter auch schwierige Ouvertüren gespielt, von denen z.B. die Freischütz - Ouvertüre von C.M. v. Weber zu nennen ist. Der Kapellmeister trat bei Konzerten auch selbst als Solist auf, so z.B. in Bozen beim Schluffwirt (Boznerhof), wo er mit seinem Flügelhorn das bekannte Solo "Carneval von Venedig" mit all seinen Variationen so meisterhaft spielte, dass dieses Stück unter dem Applaus der Bozner wiederholt werden musste.
Im Tiroler Boten vom Jahre 1867 (S. 518) wird von der Verteilung der von Sr. Majestät gespendeten Erinnerungsmedaillen an die Landesschützen des Bezirkes und die drei Sturmkompanien der Gemeinde Kaltern berichtet. Dort kann man lesen:
"Nachmittags um 2 Uhr zogen die 4 Kompagnien unter den frohen Klängen der hiesigen wackern Musikbande von den Sammelpunkten auf den Marktpaltz und nahmen an drei Seiten desselben ihre Aufstellung ..."

Feuerwehrkapelle Plakat der internationalen Ausstellung Unter Hans Niederstetter trat die Musikkapelle 1886 als Feuerwehrkapelle auf. Im Jahr 1894, unter der Leitung seines Sohns Karls, wurde sie jedoch wieder in "Musikkapelle" umbenannt. Karl Niederstetter führte die Kapelle mit viel Geschick weiter, so dass ihr 1896 bei einem Preisspiel in der Landeshauptstadt Innsbruck vom Preisrichter Karl Pembaur die goldene Medaille zuerkannt wurde.
(Hierzu existiert im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum noch ein Plakat zum Konzert der Kapelle in Wilten: FB 4708, N.61)

Einblick in das Vereinsleben in den 80iger Jahren des 19. Jahrhunderts gibt uns das "Empfangs- und Ausgabs-Journal der Musikkapelle Kaltern", in der die Buchführung der Kapelle vom damaligen Kassierer Eduard Röggla genauestens aufgezeichnet wurde und welches die Unbilden der Zeit heil bis in unsere Zeit überdauert hat. Die Einnahmen und Ausgaben der Kapelle unterscheiden sich im Grunde nicht wesentlich von denen der heutigen Bürgerkapelle. Einnahmen kamen vor allem zustande durch Zuschuss vonseiten der Gemeinde, Spenden von Gönnern an die Musikkapelle, Einnahmen durch Auftritte (Serenaden = Ständchen zum Namenstag von z.B. Herrn Dekan, Kalterer Adeligen oder zu Beerdigungen).
Die Posten der Ausgaben betreffen:

  • Notenpapier und Abschrift von Musikwerken
  • Instandhaltung (Notenpulte, Hüte, Probelokalreinigung)
  • Neuanschaffung von Instrumente (z.B. wurde 1890 eine große und kleine Trommel sowie türkische Cinellen gekauft)
  • Geselliges und Feierlichkeiten: Der Cäcilienschmaus beim Rössl (entspricht ungefähr der jährlichen Zuwendung, die vonseiten der Gemeinde getätigt wird! 1889 übernimmt die Gemeinde direkt die Kosten für den Cäcilienschmaus, nicht aber das Trinkgeld. Dies wird von Musikkapelle ausgelegt!)
  • Ausflug: auf die Mendel bzw. nach Bozen
  • Getränke: Wein beim Mondschein, Brot beim Lemayr, das "Ladenbüchl" für allfällige Kleinigkeiten beim Geschäft Spitaler

Paul Niederstetter 1898 wurde die Kapelle von Karls Bruder Paul Niederstetter übernommen und bis zum Jahre 1901 weitergeführt.



Die Jahre bis zum Ersten Weltkrieg - Zeit des Faschismus - Zweiter Weltkrieg

Hans Kolmstein Zu Beginn des neuen Jahrhunderts übernahm der äußerst originelle, musikbegabte Hans Kolmsteiner aus Tramin den Dirigentenstab und führte die Musikkapelle 26 Jahre lang. Die Kapelle spielte unter seiner Leitung manches schwierige Stück, denn jede Instrumentengruppe hatte einen oder mehrere solistisch befähigte Bläser. Die Musikproben waren unter seiner Leitung ein köstliches Erlebnis. Humor und beißender Spott wechselten in bunter Reihenfolge.
Hier ein kleiner Ausschnitt einiger solcher origineller Kolmsteiner-Kathederblüten:
Da sagte er: "Du N...! Heit hosch an Ton wia va nar Kochl außer!" oder "Du X..., Dein Straubnlauer (Bezeichnung für Waldhorn) isch um an Klofter zu tiaf!"
Auf einen der Es-Trompeter hatte er es ziemlich scharf, das war der "Spatz", den jeder Kalterer sicher kannte. Zudem sagte er einmal: "Spatz, Du bringst mi no ins Grob, stöck dir an Strumpf in Lauer eini, ba Dier stimmt koa Ton net!"
Trotz dieser ulkigen Bemerkungen nahm man ihm nichts übel und die Musikanten hielten zu Ihrem Kapellmeister Hans.
Bei Feierlichkeiten der Dorfgemeinschaft leistete die Musikkapelle stets ihren Beitrag, so wissen wir z.B., dass beim 25 jährigen Gründungsfest der Feuerwehren von Kaltern am 26. April 1903 die Kapelle laut Festprogramm um 5.30 Uhr den Weckruf anstimmte und gegen 16.00 Uhr mit einer Serenade die Festlichkeiten ausklingen ließ. Beim Gründungsfest des Deutschen Turnverein Kaltern am 8. Juni 1913 wirkt die Kapelle ebenfalls mit, wie wir aus dem Überetscher Gemeindeblatt 6.1913, 22, S.6 erfahren.

Einblick in die Organisation und den Ablauf der Verständigung in Zeiten ohne Handy, SMS und Email gibt uns ein erhaltenes "Laufschreiben" aus dem Jahre 1904 (14. Dezember). Der Kapellmeister Kolmsteiner persönlich fertigt es aus und alle 31 Musikanten bestätigen mit ihrer Unterschrift, die Mitteilung des Kapellmeisters gelesen zu haben.

Laufschreiben Gefertigter erlaubt sich den P. T. Mitgliedern der Musikkapelle zur Kenntnis zu bringen, daß heute - Mittwoch 1/2 8 Uhr abends behufs Trauermusik für den dahingeschiedenen Herrn Anton Morandell Mondscheinwirt hier Trauermarschprobe stattfindet und ersucht Unterzeichneter um vollzähliges Erscheinen zu derselben.

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Herr Anton AtzHerr Obrist Heinrich
Herr Karl RögglaHerr Kaspareth Josef
Herr M. Alvera ...Herr Otto Dietrich
Herr Gottfried PligerHerr Bernard Atz
Herr Josef TesadriHerr Felderer Richard
Herr Ludwig FeldererHerr Josef Pegg
Herr Franz RuedlHerr Johann Andergassen
Herr Anton BernardHerr Karl Dissertori
Herr Ambach GottfriedHerr Karl Greif
Herr Peter RohreggerHerr Hans Praxmarer
Herr Anton MenghinHerr Toni Greif
Herr Wilhelm MayrHerr Karl Bernard
Herr Alois Ruedl
Herr Karl Figl
Herr Hans Roschatt
Herr Felderer Anton
Herr Figl Heinrich
Herr Traßl Ignatz
Herr Michael Riccabona


Wie zufrieden die Musikanten mit ihrem Kapellmeister waren, ersieht man aus einem Brief (31. Jänner 1905) den der Ausschuss der Kapelle an das löbliche Marktmagistrat von Kaltern geschrieben hat und dabei ansuchte, die Vergütung des Kapellmeisters von 200 auf 300 Gulden anzuheben. Folgende Punkte werden als Argumentation hierfür angefügt:

  1. "Die Musikmitglieder haben sich bereits vollste Gewissheit verschafft, dass Herr Kolmsteiner das ihm übertragene Amt zu leiten die entsprechende Befähigung besitzt.
  2. Dass derselbe sich durch unermüdlichen Fleiß - alltäglich werden entweder Teil- oder ganze Proben gehalten - immer mehr und mehr ausbildet, was demgemäß auch der Kapelle zu Gute kommen muss. Herr Kolmsteiner hält nicht blos Proben er arbeitet außerhalb seiner Schulstunden fast nur für die Musik - Instandhaltung der Musikalien, Ergänzung derselben durch Neuschreibung, Ausbesserung mangelhafter Tonstücke, Instandhaltung des Inventars etc., kurz gesagt: Herr Kolmsteiner gibt sich der übernommenen Sache mit einem nie dagewesenen Eifer hin und lässt derselbe daher mit vollster Bestimmtheit erwarten, dass die Musik in der Folge wieder aufblühen wird. (...) Schließlich wird auch bemerkt, dass Herr Kolmsteiner trotz der gegenwärtigen überhäuften Arbeiten sich noch außerdem mit Heranbildung neuer Kräfte befasst und dass thatsächlich dank seiner Mühe und Fleiß die Kapelle um ein Mitglied vermehrt wurde."

Im Jahre 1909 reiste die Musikkapelle Kaltern in die Landeshauptstadt nach Innsbruck und beteiligte sich am Landesfestzug zur Jahrhundertfeier des Tiroler Aufstandes 1809. Uns liegt noch die Endabrechung des Kassiers Anton Bernard vom 8. September 1909 vor: Insgesamt kostete diese Ausrückung 447 Kronen und 52 Heller, wobei 118 Kr und 47 h. als Einnahmen von 2 Konzerten in Innsbruck verbucht wurden. Die Gemeinde ersetzte die Kosten für die Hin- und Rückfahrt mit der Bahn (279 Kr 12 h), sodass am Ende ein "Deficit" von 49 Kr. 93 h zu verzeichnen war. Um die laufenden Ausgaben bestreiten zu können, die es für die Aufrechterhaltung einer Musikkapelle braucht, veranstaltete die Kapelle immer wieder Wald- und Gartenfeste; so z.B. über Jahre hinweg ein Waldfest "in der Wolfsgruben nächst Oberplanitzing" oder Konzerte mit anschließendem Tanzkränzchen.

Papstjubliäumsfeier Neben Auftritten bei religiösen Feierlichkeiten, so z.B. bei Prozessionen oder der Feierlichkeit zum Papstjubliäum im Jahre 1908, trat die Musikkapelle bei Gasthäusern in Kaltern und Umgebung auf, um die Besucher mit ihrem Konzertprogramm zu unterhalten. Wir erfahren von diesen Auftritten in den Jahren vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges aus den Einladungen und Vorankündigungen, die im Überetscher Gemeindeblatt abgedruckt sind.

Schreiben an den Gemeindeausschuss Gleichzeitig zur Musikkapelle bestand in den 20iger Jahren des 20. Jahrhunderts die Katholische Vereinskapelle Kaltern. Sie wurde auf Initiative des Dekans Gottlieb Hueber aus dem Katholischen Burschenverein heraus gegründet. Sie war vor allem bei kirchlichen Feiern und bei Veranstaltungen im Vereinshaus im Einsatz. Viele Musikanten gehörten beiden Kapellen an. Ihr Bestand war aber nicht von langer Dauer. Mit dem Aufkommen des Faschismus und dem Abgang des Dekans Hueber stellte die Kapelle ihre Tätigkeit ein.
Auf die Spannungen, die es vor der Gründung der Vereinskapelle zwischen der Musikkapelle und dem Dekan Gottlieb Hueber gab, verweist ein Brief vom 9. Februar 1907, den der Ausschuss der Kapelle an den Gemeindeausschuss geschrieben hat:
"Löbl. Gemeinde Ausschuss!
Die gefertigten Mitglieder der hießigen Mußikkapelle erlauben sich mit gegenwärtigem einem löbl. Gemeinde Ausschusse nachstehendes zur gefl. Kenntnis zu bringen. Wie uns Herr Kapellmeister Kolmsteiner mitteilt, setzt nehmlich in letzter Zeit der hochwürdige Herr Dekan Hueber sein Möglichstes ein um jedes von uns projektierte Platzkonzert zu verhindern (über die näheren Details kann Herr Kapellmeister Kolmsteiner Auskunft geben). Es liegt uns gewiß fern, Konzerte während des Gottesdienstes abzuhalten, aber ab und zu, je nach Witterung und Jahreszeit hierorts Platzkonzert zu geben, ist sogar eine Bedingung die uns von Seite der löbl. Gemeinde auferlegt wurde und welcher wir auch bisher nachgekommen sind. Herr Kapellmeister Kolmsteiner erklärt uns nun, daß er unter solchen Umständen seine Kapellmeisterstelle zurücklegen resp. Künden müßte, und bleibe uns in diesem Falle nichts anderes übrig, als einen Kapellmeister aus unserer Mitte zu wählen, dem eine eventuelle Anzeige beim Bezirksschulrate in Bozen, mit welcher bereits gedroth wurde, ganz gleichgiltig sein kännte, oder aber die ganze Mußikkapelle aufzulösen, wozu wir bereiht sind, da doch jedermann bekannt sein dürfte, dass die einzelnen Mitglieder derseben nicht honoriert werrden und die Kapelle eine ganz freiwillige ist. Wir können nicht umhin noch nebenbei zu bemerken, daß falls Herr Kolmsteiner seine Stelle als Kapellmeister aus den in Rede stehenden Gründen nicht mehr weiter führe oder aber die Mußikkapelle ganz aufgelöst würde, solches dem hießigen Pfarrchore sowie auch der Liedertafel Gesellschaft nicht wohl zum Vortheil sein könnte. Wir ersuchen nun einen löbl. Gemeinde Ausschuß, falls selber Interesse für das Weiterbestehen der Mußikkapelle hat, den Herrn Kapellmeister Kolmsteiner vorzuladen und denselben über obengeführte Umstände zu vernehmen. Weiters bitten wir, dass eine löbl. Gemeindevertretung nach Einvernehmen des Herrn Lehrers Kolmsteiner mit dem hochwürdigen Herrn Dekan in dieser Angelegenheit Rücksprache pflegen und uns hievon möglichst bald verständige.
Leo Pugneth, Carl Röggla, Wilhelm Mayr, Franz Rudel, Menghin Anton J., Kaspareth Tschimben, Karl Kaspareth, Nikolaus Alois, Ruedl Josef, Kaspareth Josef, Sepp Johann, Roschatt jun. Anton ,Greif Karl, Anderlan Richard, Felderer Ignaz, Drassl Johann, Roschatt Otto, Dietrich Karl, Figl Karl, Greif Anton, Felderer Karl ... . Heinrich Figl, Ritsch Heinrich, Adalbert Obrist, Pugneth Leonhard, Hans Praxmarer, Peter Rohregger, Anton Atz, Ludwig Felderer, Josef Tessadri"

Arthur Greif Ab 1927 leitete Hans Roschatt für drei Jahre die Kapelle. Roschatt war gebürtiger Kalterer und während seiner Militärdienstzeit Tenorhornbläser. Nur kurze Zeit dauerte seine Kapellmeister-Laufbahn, denn eine heimtückische Krankheit machte seinem noch jungen Leben ein Ende. Durch seinen Tod geriet die Kapelle in eine arge Krise.
Anton Gratl, Heinrich Kaufmann und Franz Ruedl wechselten sich für ein Jahr am Dirigentenpult ab.
1931 vertraute man dem jüngsten Musikanten Arthur Greif die Leitung der Musikkapelle an. Dieser dirigierte die Kapelle bis zur endgültigen Auflösung durch die Faschisten im Jahre 1935 mit Geschick und Ausdauer trotz der vielen Schikanen von Seiten der Behörden. In diesen Jahren war die Kapelle nur mehr geduldet, weil die Faschisten dieselbe für ihre patriotischen Festaufmärsche benötigten. Am 4. November 1935 wurde die musikalische Tätigkeit der Kapelle eingestellt, nachdem man sich geweigert hatte, an einer faschistischen Siegesfeier teilzunehmen, um die "Giovinezza" und die "Marcia Reale" abzuspielen. Während dieser Zeit gingen sehr viele Aufzeichnungen des Vereinslebens der Kalterer Musikkapelle verloren.

Josef Prader Nun brach die große Katastrophe des 2. Weltkrieges herein und mit ihm die schreckliche Zeit der Option.
Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen (Operationszone Alpenvorland) wurde mit großer Begeisterung, nach den vielen Jahren der Unterdrückung, 1941 in Kaltern wieder zur Gründung einer Musikkapelle geschritten. Herrn Peter Andergassen (Heiss) ist es zu verdanken, dass er die alten Musikanten zusammenbrachte und Herrn Lehrer Prader Josef als Dirigent anwerben konnte. Die Reservistentrachten entlieh in gütiger Weise Hochw. Monsignore Dr. Johannes Kröss, Dekan von Kaltern. Nun ging es wieder fleißig ans Proben und bald sah und hörte man wieder Blasmusik. Die Standschützenkapelle wie sie damals hieß, verschönerte die Feste, sei es religiöser oder profaner Art. Lange währte es aber leider nicht, denn die Kriegsereignisse spitzten sich von Monat zu Monat immer mehr zu. So kam es in den letzten Kriegsmonaten wieder zur Auflösung, weil die meisten Musikanten zu den Waffen gerufen wurden.

Wiedergründung und Aufbauarbeit

Josef Prader Am 13. März 1946 erfolgte durch den späteren Verbandskapellmeister Sepp Thaler die Wiedergründung. Die größte Schwierigkeit bestand darin, dass nur ein Teil der Musikanten eigene Instrumente besaß. Man trat mit Herrn Dekan Hochw. Msgr. Dr. Kröss in Verbindung, um Instrumente der Vereinskapelle zu leihen. Dieser ging auf den Vorschlag nicht ein, da bei der Auflösung der Standschützenkapelle bereits geliehene Instrumente nicht zurückgegeben wurden. Hierauf beschloss man einen vollständigen neuen Satz von Instrumenten und zwar in Normalstimmung bei der Firma Orsi, Musikinstrumentenfabrik von Mailand zu kaufen. Die Chronik berichtet, dass am 25. März 1946 der Kaufvertrag unterschrieben wurde und zwar für folgende Instrumente:

  • 1 Piccolo Des
  • 1 Flöte Des
  • 1 Es-Klarinette
  • 4 B-Klarinetten (14 Klappen)
  • 4 B-Klarinetten (16 Klappen)
  • 5 Flügelhörner (lange Form)
  • 2 Bassflügelhörner (oval)
  • 2 Eufonium (oval)
  • 2 Cornets
  • 3 Es-Trometen
  • 1 B-Trompete
  • 2 F-Waldhörner mit Es-zügen
  • 1 Es-Genis (Hornform)
  • 1 F-Bass vertikal
  • 1 Es-Bass (vertikal)
  • 1 B-Bass vertikal
  • 2 Tenor-Posaunen
  • 1 F-Posaune (Bassposaune)
  • 2 kleine Trommeln
  • 1 große Trommel

Der Gesamtpreis für den kompletten Satz wird mit Lire 395.000 vereinbart. Msgr. Dr. Kröss lieh der Bürgerkapelle dann doch noch seine vorhandenen Instrumente, bis die neuen geliefert werden konnten. Am 16. April 1946 fand die erste Probe mit den neuen Instrumenten statt: "Es herrschte vollste Begeisterung unter den Musikanten!". Bereits am 22.April wurde das 1. Konzert auf dem Hauptplatz gegeben.
Es darf nicht unerwähnt bleiben, dass die fünf Kellerei-Genossenschaften (Grosskellerei Genossenschaft Kaltern, I. Kellereigenossenschaft Kaltern, Neue Kalterer Kellereigenossenschaft, Baron Di Pauli Kellerei, Bauern Kellerei Genossenschaft Kaltern) zur Finanzierung der neuen Musikinstrumente ein zinsfreies Darlehen in der Gesamthöhe von L. 200.000.- zur Verfügung stellten. Alle Musikanten unterschrieben eine Haftungs- und Garantieerklärung, in denen sie zusicherten, "für die bestmöglichste und zweckmäßigste Schönung, sowie tadellose Instandhaltung der zugewiesenen Instrumente bis zur endgültigen Tilgung der Darlehenssumme persönlich verantwortlich zu sein". Daraus ersieht man, dass bei der Wiedergründung die Bürgerkapelle aus 33 Mitgliedern bestand:

Thaler JosefKapellmeister
Bonora Vigil1. Flügelhorn
Ludwig Atz1. Flügelhorn
Möltner Leopold2. Flügelhorn
Obrist Oswald2. Flügelhorn
Pillon Franz2. Flügelhorn
Pichler HermannEs-Klarinette
Warner August1. B-Klarinette
Wiunig Pepi1. B-Klarinette
Morandell Gottfried2. B-Klarinette
Auer Hermann2. B-Klarientte
Vorhauser Heinrich3. B-Klarinette
Roschatt Ernst3. B-Klarinette
Torggler Heinrich2. B-Klarinette
Fill Alois3. B-Klarinette
Pugneth LeonhardFlöte
Tapfer KarlBassflügelhorn
Tapfer LuisBassflügelhorn
Fenner MarioEufonium
Maran FranzEufonium
Regori AntonTenor Posaune
Mayr KonradTenor Posaune
Pernstich OttoBass Posaune
Bendetta AlfredEs-Bass
Atz AntonB-Bass
Sölva GottfriedTschinellen
Kaspareth AntonGrosse Trommel
Atz ArthurKleine Trommel
Frank Leopold1. Es-Trompete
Wohlgemuth Heinrich2. Es-Trompete
Rainer Anton3. Es-Trompete
Pugneth GeorgBass-Trompete
Morandell WilliKleine Trommel